Das Gebot der Nächstenliebe – Bullshit!
November 22nd, 2008 by Frank Obels
Lese gerade bei Norbert das Gebot der Nächstenliebe:
Behandle andere so, wie Du gerne von diesen behandelt werden möchtest!
Ihr Lieben, so ein Gebot ist maximaler Bullshit.
Auch wenn es nett gemeint ist, es bleibt Bullshit.
Warum?
Weil dieses Gebot nicht berücksichtigt, dass wir Menschen verschieden sind. Entweder geht das Gebot davon aus, dass alle Menschen gleich sind (dann wäre es okay) oder aber es ist ein Gebot, andere so zu verändern, wie ich das haben will.
Dieses Gebot ist Projektion pur, ich projeziere das, was ich will, auf einen anderen Menschen! Sehr unfein!
Wie wäre es damit:
Behandle andere so, wie sie gerne behandelt werden möchten!
Dieses Gebot ist wahre Nächstenliebe, denn es respektiert das Individuum.
Beispiel: in der Karibik gilt es als unhöflich, anderen Menschen bei einem Gespräch in die Augen zu schauen. Bei uns hier ist es unhöflich, dem Gesprächspartner nicht in die Augen zu schauen.
Wenn ich die Einzigartigkeit eines anderen Menschen wirklich respektiere, dann behandle ich ihn doch nicht so, wie ich behandelt werden will, sondern wie er behandelt werden will!
Danke Norbert, dass Du das geschrieben hast, ich wollte das schon immer mal aufgreifen und Du hast mich daran erinnert.
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12 Kommentare zu diesem Beitrag!

Lieber Frank,
ich kann Deine Gedanken erkennen.
Was ich damit meine,dass es genau um die Akzeptanz von jedem Selbst geht. Damit projeziere ich nicht.
Akzeptieren bedeutet für mich. “Es ist, wie es ist”
Das ist zuerst eine Beobachterposition einzunehmen.
Ich finde Deine Dartsellung sehr interessant.
Gruß
Norbert
Ja Norbert, wir sagen viel und meinen es doch anders. Und wundern uns dann über die Konflikte in uns
Putzig, oder?
Happy weekending
Frank
Hallo Frank,
endlich mal jemand, der es auf den Punkt bringt. Danke! Wenn es um die “goldene Regel” oder den “kategorischen Imperativ” geht, überlege ich mir immer, was ist, wenn ich einem Masochisten begegne oder wenn jeder wirklich nur noch das tut, von dem er will, dass es jede/r tut.
Liebe Grüße,
Jürgen
Hallo Jürgen,
schön, mal wieder ein Lebenszeichen von Dir
Frage: Glaubst Du an Zufälle??
Wenn nein, wovon ich ausgehe, ist es auch kein Zufall, wenn Du einem Masochisten begegnest.
Doch auch er ist, was er ist.
Wie Du Dich dabei verhälst, ist eine andere Frage.
Was kommt Dir für ein Gedanke, wenn jeder nur noch das tut wozu er “Lust” hat?
Gruß
Norbert
“Behandle andere so, wie sie gerne behandelt werden möchten!”
Das ist eine Variante, die ich so noch gar nicht gesehen habe, mir persönlich aber sehr gut gefällt. Nur setzt das dann wieder eine funktionierende Kommunikation voraus. Wie sonst kann ich wissen, wie der andere behandelt werden möchte, damit ich seine Originalität auch respektieren kann.
Gruß
Christa
@Norbert
So, wie Du den Satz formulierst, habe ich als freiheitsliebender Mensch kein Problem damit. Wobei es oft schwierig ist, alles zu tun, wozu man “Lust” hat, ohne in irgendeiner Weise Schaden anzurichten (sofern wir wirklich Schaden anrichten können in einer Welt, die nur eine Illusion ist und in der letztlich alles richtig ist, so, wie es ist). Wir sind ja alle keine Heiligen, die immer 10 cm über der Erde schweben, um ja keine Ameise zu zertreten.
Mich stört nur der Teil mit dem “allgemeinen Gesetz” bei Kant. Es gibt viele Dinge, die ich für mich als richtig empfinde, die aber nicht mehr funktionieren, wenn auch die restlichen 6 Milliarden Menschen sie tun. 6 Milliarden Maler, 6 Milliarden Kanzlerinnen, 6 Milliarden Anwälte, 6 Milliarden Opernsängerinnen – wo kämen wir da hin? Gerade die Vielfalt macht es ja.
Es hängt eben immer davon ab, wie allgemein oder speziell ich solche Art von Regeln verwende. Das gilt auch für Franks Version. Viele Menschen mögen sich selbst nicht. Soll ich die dann so schlecht behandeln, wie sie es zu verdienen meinen? Oder soll ich nicht doch lieber meinem Weg folgen und sie besser behandeln, als sie glauben, es sich wünschen zu dürfen?
Wie Du so richtig sagst, liegt es letztlich an mir, wie ich mich im konkreten Fall verhalte. Und genau diese Entscheidung ist es, die den Unterschied macht. Diese Wahl ist es, für die ich überhaupt hier bin. Denn sie sagt aus, wer ich bin und sein will.
Liebe Grüße,
Jürgen
Eine sehr interessante Diskussion *lach* Es kommt immer drauf an, meine ich.
Aber wenn ich genau wahrnehme, wie die Landkarte meines Gegenübers aussieht und funktioniert, dann kann ich meinem Gegenüber geben, wonach es verlangt. Das ist nicht einfach, lohnt aber bestimmt einen Versuch
Herz-liche Grübelgrüße von Elisabeth
Da ich mich zuletzt auch damit beschäftigt habe, denke ich, dass es eine Interpretationsfrage des Standortes ist – und da gibt es viele gute Ideen.
“Behandle andere” so geht der Satz los und ich verstehe ihn als Aktivaussage, also, “ich soll”. Nun gibt es eine Meinung, der ich mich anschließe, dass jeder Mensch weiß (als intuitves Gefühl) was “gut” für einen selbst ist. Anzunehmen ist, das das auch gut für einen anderen ist. Und so ist es ein “hin und her” dessen, was gut tut.
Ich glaube, dass wir Menschenn alle Grundbedürfnisse haben, in denen wir uns sehr ähneln, und andere, in denen wir sehr unterschiedlich sind. Deshalb lassen sich auch vielleicht keine allgemein gültigen Gesetzmässigkeiten bilden. Kant ist selbst in seinem praktischen Leben über seinen Imperativ gestolpert.
Nach meiner Auffassung ist es ein großer Gewinn, wenn jeder den anderen so behandelt, wie er gerne selbst behandelt werden möchte – und macht die Welt ein Stück wärmer und schöner.
Verbrechen, Missgunst und Neid gehören dann eindeutig der Vergangenheit an.
…fremde Länder, fremde Sitten…dieses Gebot schließt nicht aus, sich über andere Gebräuche zu informieren und sie auch zu respektieren.
Was für mich zählt ist die positive Absicht.
Liebe Grüße aus dem Isartal,
besser und besser,
Gaba
Beide Gebote oder Angebote zur Naechstenliebe richten Ihre Aufmerksamkeit auf einen objektiven
Naechsten, den es zu erkennen gilt.
Fuer mich ist dieser Anspruch illusorisch und fuehrt in die Sackgasse der Ueberforderung.
Meine subjektive Wahrnehmung kreirt den Naechsten
und die Welt (siehe zB. http://www.procreo.jp)
Eine andere Moeglichkeit ist: Ich gebe das, was ich
wirklich von mir geben moechte. Ich uebe wahrzunehmen,was ich hinter meinen Automatismen und
Rollen empfinde, fuehle, denke und waehle verantwortlich was ich jetzt davon mit (anderen Menschen) teile.
Ob, was und wie andere Menschen davon nehmen liegt
nicht in meinem persoenlichen Machtbereich, sondern
im uebergeordneten Wirkungsbereich von universellen
Gesetzen (z.B. Resonanz).
Ich gebe mich in meinem so-sein der Welt und trage durch meine Einzigartigkeit zur Fuelle des Ganzen bei, im Wissen um den stetigen Wandel.
Gruss aus Italien, Ingeborg
„Ich will Dich vor dem Ertrinken bewahren“, sagte der Vogel, hob den Fisch aus dem Wasser und setzte ihn sanft auf einen Baum.
Vielen Dank für Eure Kommentare – wow, sehr tiefgehend.
@ Jürgen: der mit dem Vogel und dem Fisch – ist sensationell!