Erinnere Dich (3)

Bereit für die nächste Etappe unseres Gedächtnistrainings?

Das bestgehütete Geheimnis unseres Gedächtnisses lautet: wenn Informationen schwer zu lernen sind, dann müssen wir sie so ändern, dass wir sie behalten können. Um also Dinge einprägsam zu machen, bedienen wir uns der Imagination. Somit macht jeder von uns “auf seine Weise” die aufzunehmenden Informationen spezifisch für sein Gedächtnis “kompatibel”, also einfach gesagt: “passend”.

 

Der persönliche Erinnerungsraum

Im ersten Schritt schaffen wir uns unseren persönlichen Erinnerungsraum. Dieser Raum soll es uns ermöglichen, auf Informationen, die wir in diesem Raum abgelegt haben, jederzeit wieder zugreifen zu können.

Für meine Seminarteilnehmer ist es stets am einfachsten, sich ihren Erinnerungsraum vorzustellen, als wäre es ein Garderobenraum eines großen Theaters oder eines ganz vornehmen Hotels. Dort kann man seine Sachen dann abgeben und erhält im Gegenzug einen kleinen Zettel mit einer Nummer darauf. Die freundlichen Damen und Herren der Garderobe hängen die Sachen dann an einen Haken mit der Nummer, die auf dem Zettelchen vermerkt ist. Dieser einfache Mechanismus ermöglicht das sehr schnelle Wiederfinden der von Euch abgegebenen Dinge, obwohl vielleicht einige Tausend Gegenstände dort aufbewahrt werden.

Diese Verlässlichkeit im schnellen Zugriff auf unsere “Gegenstände” wollen wir nun in unserem Erinnerungsraum erreichen.
Diesbezüglich statten wir unseren persönlichen Raum zunächst einmal mit ausreichend Haken aus, an die wir später unserer “Bilder” hängen werden. So wie an der Garderobe Schal und Mantel an bestimmte Haken oder Bügel gehängt werden, so findet in unserem Erinnerungsraum alles seinen Platz an den Haken, die wir uns am besten als Wandhaken vorstellen. Diese geistigen Haken werden von uns nun durchnummeriert und somit haben wir den Garderobenmechanismus in unseren geistigen Erinnerungsraum übertragen.

Da wir noch ganz am Anfang unseres Trainings stehen, möchte ich Euch immer wieder auf das Hauptprinzip des Gedächtniserfolgs hinweisen: die visualisierte Vorstellung. Je intensiver Ihr nun mit Eurer Fantasie umgeht und jede Chance zur ausgiebigen Imagination nutzt, umso schneller und nachhaltiger werdet Ihr persönliche Gedächtnismeister.

 

Imagination des Gedächtnisraums

Gerade die Herren der Schöpfung haben mit der Fantasie etwas größere Schwierigkeiten als die Damenwelt. Das liegt übrigens weniger an der “Bauart” der Herren, sondern vielmehr an Dingen wie Erziehung, gesellschaftlicher Funktion des Mannes und vielem anderen Ballast. Ich möchte Euch deshalb als Anregung nachstehend ein Beispiel einer kleinen Imagination zu unserem Erinnerungsraum geben. Vielleicht erlebt Ihr das erste Mal eine etwas ungebändigte Fantasie.

Doch bevor wir anfangen, auf die Reise zu gehen, ist es gut, sich zu vergegenwärtigen, dass ein schön entspannter Zustand das Lernen viel besser als unterstützt als ein gestresster Moment.

Deshalb wählen wir für unseren Erinnerungsraum einen Platz irgendwo in unserem tiefen Inneren und nicht neben der gedanklichen Hauptverkehrsstrasse. Es hilft, sich den Erinnerungsraum zugleich als persönlichen Entspannungsraum vorzustellen, einem Raum, irgendwo in uns drin, in dem alles so sein darf, wie wir es uns vorstellen. Und damit Ihr in Eurem Entspannungsraum schon einigermassen ruhig ankommt, hilft es, sich einen ganz persönlichen Weg dorthin vorzustellen. Das beginnt damit, dass Ihr Euch im “Hier und Jetzt” einen entsprechenden Platz sucht, um diese Imaginationsübung durchführen zu können.

Nehmt ein paar besonders tiefe Atemzüge und spürt mit jedem Ausatmen, wie die Anspannung aus Eurem Körper weicht.
Und dann geht einfach, dort in dem grünen und so wunderbar blühenden Tal, diesen kleinen Trampelpfad vor Euch, immer weiter entlang und achtet darauf, dass Ihr Euch nicht zu weit vom kleinen Bach entfernt, der sich so ruhig durch dieses beschauliche Tal ergießt.

Während Ihr die warme Sonne im Nacken spürt, bemerkt Ihr auf einmal, dass sich das Tal geöffnet hat und in der Ferne grüne Hügel auftauchen. Habt Ihr auch gerade diesen Ruf des Kuckuck gehört? Bemerkt Ihr schon, jetzt oder gleich, wie leicht und beschwingt Euch zumute ist?
Und in diesem angenehmen Gefühl fällt es Euch leicht, mühelos den kleinen Bergweg höher und höher zu steigen. Und während Ihr Euch in Gedanken schon vorstellt, wie Euer Erinnerungsraum aussehen mag und wie Ihr ihn gestalten wollt, beginnt es zu dämmern und schließlich dunkel zu werden.

Doch farbige Lichter beleuchten Deinen Weg. Du kannst 7 Stationen unterscheiden und Du bist Dir plötzlich sicher, Deinem Ziel ganz nahe zu sein. Zuerst passierst Du eine Zone mit rotem Licht. Die zweite Zone ist orange. Die dritte gelb. Der vierte Bereich ist grün. Dann ein Bereich mit blauem Licht. Die sechste Station ist indigofarben. Und die letzte violett.

Du befindest Dich am Ziel – an der Spitze des Berges, über der Welt und stehst vor einer reich verzierten Tür.
Du öffnest die Tür und gehst hinein. Voller Staunen schaust Du Dich um und bemerkst, dass alles voller Bergkristalle ist.
Wunderschön schimmernd, abwechselnd in den Farben des Regenbogens leuchtend: rot, orange, gelb, grün, blau, indigo und violett.

In der Mitte des großen Raumes befindet sich ein mächtiger, hölzerner Thron, der mit warmen, weichen, kuscheligen Fellen bedeckt ist. Und Du weisst in diesem Augenblick: “das ist mein Thron – mein Ort der Ruhe, der Entspannung, der Konzentration und der Erinnerung”!
Du setzt Dich schnell hinein und während diese wohlige Gefühl schon in Dir aufsteigt, überlegst Du Dir in aller Ruhe, wie Du Deinen Erinnerungsraum einrichten willst.

Es ist Dein ganz persönlicher Erinnerungsraum, Du kannst sogar den wunderschönen Bergkristall durch einen anderen Stoff ersetzen – hier ist alles möglich. Die Grenzen der Möglichkeiten bestimmst nur Du selbst in Deiner Fantasie.

Vielleicht ist eine gute Idee, an die Wand gegenüber der Tür eine große weiße Leinwand anzubringen, damit Du die Bilder, die Du später an den Haken finden wirst, dorthin vergrößern kannst, wie mit einem Projektor. So kannst Du Dir die Bilder noch besser merken. Hol Dir alles in Deinen Erinnerungsraum, was Du zu benötigen glaubst.

Und schließlich kannst Du Dich von Deinem Thron erheben und alles, was Du eingerichtet hast, in Ruhe betrachten und genießen.
So sieht er also aus, Dein persönlicher Erinnerungsraum.

Schön! So wird Dir das Gedächtnistraining richtig Spass machen.
Und jedes Mal, wenn Du hier in Deinen Gedächtnisraum kommst, kannst Du die Einrichtung ergänzen oder auch Dinge entfernen. Ganz wie es Dir angenehm ist.

Bevor Du nun die Tür öffnest, um Dich gleich auf den Rückweg zu begeben, möchte ich Dich noch einmal daran erinnern, wie wichtig diese Form der Imagination für unser Training ist.

Vielleicht spürst Du ja auch schon jetzt, oder später, wie viel Freude es macht, die Dinge einmal mit reichlich Fantasie zu betrachten. Dann bewahre Dir diese Freude, während Du auf dem Rückweg wieder die Lichtergalerie durchschreitest, in umgekehrter Richtung: violett, indigo, blau, grün, gelb, orange und rot.

Du steigst mit leichtem und sicherem Schritt hinab in das Tal und findest, dort angekommen, ganz automatisch wieder aus dieser Imaginationsübung zurück in das Hier und Jetzt.

 

Beim nächsten Mal werden wir die ersten drei Bilder an die Haken hängen und schauen, was man damit Feines macht.

Feel better :-)


© 2007 Frank Obels.

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Frank Obels

Frank Obels ist Berater, Coach und Trainer im Bereich Business-Psychologie und Persönlichkeitsentwicklung. Du findest ihn auch auf Google+ und Facebook.

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